Kleiderspenden vernichten Textilindustrie

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“Sie (die Kleiderspender) rechnen nicht damit, dass ihre Spende uns in eine wirtschaftliche Katastrophe gestürzt hat.”
“Unsere Industrie (in Tansania) hat keine Chance, vergleichbare Ware zu einem so niedrigen Preis herzustellen.”
“Die meisten können sich nur die billigste Jeans leisten, gebrauchte Markenware ist zu teuer.”

Das sind Aussagen aus der am 4. November ausgestrahlten NDR Reportage “Die Altkleiderlüge”. Wer glaubt, dass seine Spende hilfsbedürtige in Afrika erreicht, ist einer gigantischen Wertschöpfungskette auf der einen und einem wirtschaftlichem Vernichtungsprozeß auf der anderen Seite zum Opfer gefallen.
Deutsches Rotes Kreuz, Malteser, Diakonie und Caritas geben ihren Namen gegen Bares dem größten Textilrecycling Unternehmen Europas.
Auf ihrer Webseite SOEX heisst es:

Mit dem Headquarter in Bad Oldesloe bei Hamburg, Standorten in 14 Ländern und 2.500 Mitarbeitern liefert SOEX einen nachweisbaren Beitrag zu Ressourcenschonung und Umweltschutz.

Herr Pailak Mzikian von Soex spricht im Filmbeitrag aus, was es in Wirklichkeit ist: “Es wird nicht als Spende nach Afrika gehen. Das wäre ökonomisch und ökologisch unsinnig.” Nur ca 40 % der Ware geht in die Katastrophengebiete. Gesammelt wird kommerziell beispielsweise vor Supermärkten von der Firma RETEXTIL und im caritativen Bereich von der Firma EFIBA. In der europaweit größten Sortieranlage bei Bitterfeld kommen täglich 400 t Altkleider an.

Im erwähnten Filmbeitrag heisst es weiter: In Tansania kommen pro Monat 20 000 t Altkleider überwiegend aus Deutschland und den USA an. Ein durchschnittlicher Tansanier hat ca. 1 € pro Tag zur Verfügung (Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner pro Jahr: 415 US $). Die dort “Mitumba” genannte Altkleiderware bedroht auch die Textilindustrie in Uganda und Sambia.
Die Autoren des Films beklagen nicht nur das Verschwinden der Textilindustrie und die damit verbundene Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit, sondern das tatenlose Zuschauen der caritativen Verbände mit der Begründung, das alles sei ja legal und durch die Umwandlung von Sachspenden in Geldspenden und die Verwendung dieser für caritative Zwecke moralisch einwandfrei.

Michael Höft/Christian Jentzsch: Dass ein Teil der gebrauchten Kleider von Verwertungsfirmen ins Ausland weiterverkauft wird, ist schon seit geraumer Zeit ein offenes Geheimnis. Was uns erstaunt hat, waren die Dimensionen des Geschäftes. Und was uns wirklich erschrocken hat, waren die desaströsen wirtschaftlichen Auswirkungen, die der Handel mit den Altkleidern zum Beispiel in Tansania hat. Mit eigenen Augen zu sehen, wie sich eine gut gemeinte Spende ins Gegenteil verkehrt, in den Raub der Existenzgrundlagen der Ärmsten der Armen, wirft denn doch ein ganz anderes Licht auf die Praxis der Wohlfahrtsverbände.

Quelle: Die Altkleider Lüge
Eine Stellungnahme des Deutschen Roten Kreuzes kann man hier lesen: DRK Stellungnahme